4  Klingenbrunn Bahnhof

Das 1925 / 26 erbaute 2,8 km lange Strecke sieht auf der Landkarte wie ein abgerundetes und breites ”M” aus.

Sie verläßt die Rachelstrecke an der Wendeschleife, führt etwa nördlich, bis sie die Glitzlettenseige überquert, und schwenkt dann in westlicher Richtung ab. Nachdem sie den Waldhüttenbach sowie den Flanitzkanal überquert hat, umrundet sie noch in einem auffälligen Haken die Höhe 778m, bevor sie bei der Höhe 769m direkten Kurs auf den Klingenbrunner Bahnhof nimmt.

An dieser Höhe 769m mündet auch die Strecke Klingenbrunner Straße ein; hier befand sich daher ein Gleisdreieck.
Wer vom Gleisdreieck in Richtung Klingenbrunner Bahnhof läuft, erkennt rechts deutlich den niedrigen Bahndamm der Waldbahn, von dem kurz vor Verlassen des Waldes 2 Abzweigungen nach rechts wegführen.

Den Endpunkt der Strecke markiert die große Lichtung am Bahnhof Klingenbrunn,
der rund 3 km abseits der Ortschaft einsam im Wald liegt.
Wenn man sich heute diese verträumte Szenerie ansieht, will man kaum glauben, was hier in der Blütezeit der Waldbahn los war:
Einer der beiden Umladepunkte von der Wald- auf die Staatsbahn.
Die gesamte Lichtung entlang des Forstweges in Richtung Rachel war ein riesiges Holzlager; von Norden auf 4 Gleisen von der Waldbahn mit Nachschub beliefert, nach Süden führten 2 Normalspurgleise hinaus in den Klingenbrunner Staatsbahnhof.

Von letzterem ist auch nicht mehr viel übriggeblieben: Das Empfangsgebäude und der Wasserturm existieren noch - beide hübsch restauriert, jedoch an Privatleute verkauft und daher natürlich nicht zugänglich.
Die umfangreichen Gleisanlagen sind verschwunden, nur noch das durchgehende Hauptgleis ist geblieben, der Bahnsteig des heutigen Haltepunktes ist westwärts gewandert, und liegt direkt am Bahnübergang.

 

 


In der Wendeschleife: In Bildmitte geradeaus zum Klingenbrunner Bahnhof, rechts hinauf zum Rachel.
Links erkennt man noch die Wendeschleife.

In der Wendeschleife; die Kurve liegt teils auf einem gut erkennbaren Damm.


Die Wendeschleife: halblinks geradeaus nach Spiegelau, halbrechts die Wendeschleife hinauf zum Rachel, die ansteigende Strecke Richtung Rachel ist links im Hintergrund gerade noch zu erkennen.

Noch ein harmloseres Stück Waldbahn auf diesem Streckenabschnitt, das nicht im Kerngebiet liegt, und wo man z.Zt. auf keine größeren Hindernisse stößt. Das kann sich beim nächsten Sturm ändern.....


Im Bereich der Glitzlettenseige 2009. Als ich ca. 1990 meine erste Waldbahnexpedition unternommen habe, mußte ich hier umkehren.
Ich bin nicht so wahnsinnig, und schlage mich durch einen frischen Windwurf mit teils noch nicht ganz umgefallenen Bäumen !
Nun, in der Zwischenzeit hatte die Firma Morsch & Moder ganze Arbeit geleistet.

Das Highlight dieses Streckenabschnittes sind die noch gut erhaltenen Widerlager der Brücke über den Waldhüttenbach.
Bei meinem ersten Besuch etliche Jahre früher lagen hier noch die Brückenträger und etwa die Hälfte der Schwellen

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Direkt links neben dem Fotostandort zweigt die Waldhüttenbachstrecke ab, die dem Bach immer auf seiner West-/bzw. Südseite folgt.

Beim Umrunden der Höhe 778m


300m vor dem Gleisdreieck wird aud der Trasse ein Fahrweg

Halbrechts kann man schwach die Reste der Gleisdreieckes erkennen


Links neben der geradeaus vom Klingenbrunner Bahnhof in den Wald hinaufführenden Forststraße ist der kleine Damm der Waldbahn zu sehen. 100m weiter biegt die Stecke nach Spiegelau rechts ab.
Durch die Holzlagerung der jüngeren Vergangenheit hat dieser Bereich sehr gelitten.

In den Holzhof Klingenbrunn führten 4 Gleise der Waldbahn hinein;
hier, knapp 100m vor dem Ortsschild zweigt rechterhand das westlichste Gleis ab, daß in einem ausholenden Haken direkt am Westrand der großen Wiese entlangführt.

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Dieses Trassenstück ist am besten erhalten: Der kleine Damm im Originalzustand....

... nur kurze Lücken existieren, um einen Waldweg passieren zu lassen. So ist der Querschnitt des Dammes gut zu sehen.


Der Damm läuft genau am Rand der Wiese / ehemaliger Holzhof entlang.
Werfen Sie einmal im Buch “Die Siegelauer Waldbahn” einen Blick auf die 3 Doppelseiten ab Seite 104 - da war hier etwas mehr Betrieb...... !!

 

Wieder etwas näher am Ortsschild verzweigte sich der Bahndamm ein weiteres mal.
( Von der Zufahrt zur oben gezeigten Wiese, die hier nach rechts im Gehölz verschwindet, sind beide Dämme gut zu sehen )
Es sind die beiden Waldbahngleise, die zwischen der Straße und den beiden Staatsbahnladegleisen zur Grafsäge am Bahnhof verliefen.
Ein weiteres Waldbahngleis zweigte etwa hier nach links ab, es verlief östlich der Straße - es ist heute nicht mehr erkennbar,
da man einen Rast- / Spielplatz angelegt hat.
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Dafür umso deutlicher zu erkennen ist der kleine Einschnitt, in dem die beiden Normalspurgleise lagen. Er ist inzwischen teilweise mit Wasser vollgelaufen.

Bahnhof Klingenbrunn: Der Weg, auf dem die Autos stehen, liegt genau auf den früheren Normalspur-Ladegleisen.
Quer durch das Bild verläuft die Straße in Richtung Rachel.
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5  Schneiderbach

Die Schneiderbachstrecke beginnt in Spiegelau neben dem Staatsbahnhof in einem Sägewerk - und damit südlich der Staatsbahngleise.
Die Gleise lagen im südlichen - und höchstgelegenen Teil des Sägewerkes.
Gegründet als Sägewerk Ernst Petzold, war es später die größte staatliche Säge in Bayern.


In der Bildecke links unten erkennt man ein Gleisstück; die Schneiderbachstrecke führte am südlichen Rand des Gebäudekomplexes vorbei.
In den beiden mit Spanplatten vernagelten schmalen Toren am linken Rand des Gebäudes liegen ebenfalls Gleise !
Ein topaktuelles Bild dieses Gebäudekomplexes liefert die Webcam an der Tourist-Info.

Hier führte die Strecke aus dem Sägewerk hinaus, schlug die nächsten 50 Meter einen Haken, der inzwischen überbaut ist.....


.... führte quer durch das in dezenten Tarnfarben gehaltene Gebäude links, und erreichte etwa in Bildmitte die Straße. Hinter dem Daimler sind ein paar Risse in der Teerdecke, die auf ein vergessenes Gleisstück hindeuten könnten.
Die Strecke lief nun geradeaus weiter, und benutzte für ca.500m die Straße in Richtung Gfäll-Parkplatz bis unmittelbar vor den Bahnübergang.
(rechts neben der blauen Tonne im Hintergrund noch erkennbar)

Eventuell führte ein weiterer Streckenast geradeaus direkt in das Werk, das obige Bild ist direkt vor dem Tor fotografiert,
denn auch hier finden sich Gleisreste.

 

Am Ortsrand von Spiegelau. Links jenseits der Normalspurbahn das frühere Waldbahnareal. Am rechten Straßenrand liegen überteerte Gleisreste der Schneiderbachstrecke, die zu dem Sägewerk in Hintergrund führen. Man kann hier sogar noch die Schienenköpfe aus dem Gras lugen sehen !
Um eine direkte Verbindung zum Gelände der Waldbahn herzustellen, existierte eine niveaugleiche Kreuzung über die Normalspurgleise etwa auf Höhe der heutigen Trapeztafel.



Blick in die Gegenrichtung: Rechts die Bahnlinie Richtung Zwiesel; die Straße und der geradeaus weiterlaufende Waldweg war Waldbahntrasse entlang des Schneiderbaches.

Der Waldweg wenige Meter nach dem Abzweig von der Straße.


Bereits den ersten leichten Linksknick des heutigen Waldweges machte die Waldbahn nicht mit; sie lief in Bildmitte geradeaus, überquert den Schneiderbach, der genau an dieser Stelle einen auffallenden Haken schlägt.
Die Brücke trägt einen Reitweg über den Bach, der sich langsam von der Waldbahntrasse entfernt.
Als Zugang für das erste Stück ist er bestens geeignet.

Und das schaut im günstigsten Fall so aus....


... und so im ungüstigen. Der anschließende Bereich ist so eine nasse Au, deren Durchquerung nur mit viel Geduld möglich ist.
Und hohen Gummistiefeln.....

Überspringen wir also einen km: Am Ostrand der Schneiderwiese läuft ein Waldweg vorbei, der direkt nördlich des Schneiderbaches auf die Trasse stößt. Östlich dieser Stelle endet die gute Begehbarkeit, der Abschnitt in westlicher Richtung ist dagegen ein echtes Schmankerl.
Ursprünglich belassen, frei von Hindernissen zieht sich die Trasse durch den Wald.


Von links mündet gut erkennbar die Strecke Klingenbrunner Strasse ein, die Schneiderbachstrecke ist halbrechts auch noch gut auszumachen;
im Rücken des Fotografen folgt die gemeinsame Fortsetzung zum Wagensonn.